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Premiere "Altes und Neues zwesche Himmel un Ääd" und zum Hörbuch „Palazzo Bajazzo“

Ein paar Sätze zum neuen Sprachprogramm "Altes und Neues zwesche Himmel un Ääd", zur Premiere in Düsseldorf und zu den historischen Musikaufnahmen beim "Palazzo Bajazzo" und warum das trotzt Rauschens schön ist!

Ich bin noch nicht fertig mit dem neuen Sprachprogramm „ALTES UND NEUES ZWESCHE HIMMEL UN ÄÄD“, da rückt die Premiere immer näher: 21. Januar Tonhalle Düsseldorf, da isset auch schon ausverkauft. Wodrum et do jeiht? Um einige neue Aspekte der rheinischen (kölschen) Sprache, z.B. um die Fürwörter und wie schwer das alles für einen Imi ist, um die Stadtgeschichte Düsseldorfs, weil: die kennt keiner außer einem kleinen Häuflein Strafversetzter im Düsseldorfer Stadtarchiv, gut: da war auch nix, aber das kann man ja auch mal erzählen (!), um meine erste Begegnung mit dem Rheinland, was in erster Linie eine Begegnung mit der rheinischen Küche war, aber Schwamm drüber! Ich hab’s überlebt und dann geht es darum, einige der alten Geschichten aus „HIMMEL UN ÄÄD“ und aus „WIE ISSET? JOT!“ wie der zu erzählen, weil Sie mich alle so oft darum gebeten haben und da wird auch der Westfale wieder einmal kräftig gewürdigt. Warum Düsseldorf! Jo – warum dann nit? Gegen Berlin müssen wir im Rheinland alle zusammenhalten, das Herz Europas ist das Dreieck Brüssel – Paris – Rheinland und da gehört Düsseldorf mit dabei. Außerdem: als Träger der goldenen Pritsche der Prinzengarde der Stadt Düsseldorf kann ich ja jetzt quasi als Einheimischer gegen Düsseldorf...
Also, liebe Freunde, drücken Sie mir bitte in den nächsten Tagen die Daumen, dat et all klappt, weil: über die Feiertage war ich ärg krank: zeierscht dat fette Essen, dann kohm noch die Jripp dabei...

Dann ist ja das Hörbuch „Palazzo Bajazzo“ erschienen, und kaum ist es in den Läden, da geht die Diskussion schon los: historische Aufnahmen – Fluch oder Segen? Herr Heinz-Günther Rump bringt es auf einen für mich sehr schmeichelhaften Punkt, wenn er sagt, dass die historischen Aufnahmen meinem Text nicht adäquat, wollmermalsagen ‚meiner nicht würdig’, seien. Das finde ich nun wieder nicht ganz adäquat, weil da wirklich großartige Stimmen dabei sind. Aber eins ist natürlich schon wahr: historische Aufnahmen, wie virtuos sie auch von Nebengeräuschen gereinigt worden sind, sind etwas gewöhnungsbedürftig. Es rauscht, es knistert und es ist eben nicht alles der Hochglanz, den wir von unseren heutigen Aufnahmen gewöhnt sind. Aber, aber, aber:

Aber 1: wenn man – was ich natürlich auch wollte – nur die „Erste-Sahne-Aufnahmen“ haben will beim ‚Illustrieren’ einer Oper, muß man da Preise zahlen, die ins Astronomische gehen. Hättest Du gerne einen Karajan (z.B. mit Carlo Bergonzi bei der Aida), dann bist Du für ein paar Minuten Musik mit einem 5-stelligen Betrag für die Rechte dabei! Das darf man dann mit 20 multiplizieren, die Überweisung tätigen und gleich auch zum Amtsgericht gehen, um den Konkurs anzumelden. Sie können sich ja sicher denken, dass von dem Hörbuch nicht gerade Millionen verkauft werden, do wör et jo ejal!
Aber 2: Also haben der Verlag (roofmusic) und ich uns auf eines geeinigt: auf einige tolle historische Aufnahmen bzw. auf Aufnahmen mit feinen jungen Sängern aus Ländern, die man leider immer noch als zweitrangig einstuft. Zu Unrecht, wie Sie hören können!
Aber 3: Die historischen Aufnahmen aber (z.B. die Gesamtaufnahme der Norma mit der göttlichen Gina Cigna – viel besser, als die Callas jemals! – von 1937 ist ein derartiges Schätzchen, das ich immer wieder hören könnte) haben zwei große Vorteile: zum einen hört man Stimmen, die Legende sind, z.B. Ezio Pinza, und weiß plötzlich, warum sie Legende geworden sind (so wie Ezio Pinza das „Deh! Vieni alla finestra“ aus dem Don Giovanni von Mozart singt, hat es höchstens noch Cesare Siepe singen können: so viel männliche Verführung, Schmalz, Charme und Boshaftigkeit in einem, ist das nicht einmalig?). Zum anderen aber hat man plötzlich einen – wenn auch vielleicht manchmal etwas kratzigen – Vergleich zu den Stimmen heute. Daß sich der Stil des Gesangs in der Oper geändert hat, klar, das kann man auch hören, aber: vor allen Dingen kann man hören, mit was für einer Stimmkultur „damals“ gesungen wurde. Wie z.B. Eidé Norena in der Aufnahme von 193o die Arie der Pamina „Ach, ich fühl’s“ aus der Zauberflöte singt, da wird einem ja ganz anders! Hören Sie doch mit was für einem virtuosen Portamento sie die Töne nach oben trägt, wie wundervoll sie einen Ton – auch in hohen Lagen – ausformen kann und sich alle Zeit der Welt dazu lässt – das sind doch Glücksmomente, die uns ein lange verstorbener Mensch heute noch bescheren kann. Ich meine: is das nix? Ich bin fast so kühn, zu behaupten, dass diese Stimmkultur bis auf ganz wenige Ausnahmefälle heute ausgestorben ist. Warum? Weil sie alle zu schnell zu schwere Partien singen, weil sie zu viel singen und sich keine Zeit mehr lassen, die Stimme in Ruhe zur Reife zu bringen. Anton Dermota und Alfredo Kraus, die im hohen Alter noch wundervoll singen konnten, haben gezeigt, dass es auch anders geht! Sie sehen: die Entscheidung für historische Aufnahmen war nicht nur eine kommerzielle. Ich bin begeistert von diesen Stimmen, ihrer Gesangskultur und ihrem Charisma. Für mich leuchtet in diesen Stimmen eine 3oojährige Stimmkultur nach, die langsam auszusterben scheint.
Wollt ich nur mal gesagt haben!

Und: viel Glück, Gesundheit,
Zufriedenheit und, ja, Segen im Neuen!

Ihr
Konrad Beikircher



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