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"Ein Seufzer kostet einen Zehner und ein Gähnen deren zwo",
 Konrad Beikircher Rede für Frau Dr. Erika Fuchs Anlässlich der Verleihung der Morenhovener Lupe 1996
"Ein Seufzer kostet einen Zehner und ein Gähnen deren zwo",
sagt Justizrat Wendig in der Geschichte "Donald Duck und der goldene Helm". Was aber ein Lächeln und ein Lachen kosten, ein Schmunzeln und ein Griemeln, davon spricht der Justizrat nicht. Wie könnte er auch, hat er den Kopf doch voller juristenlateinischer Zitate wie:
"Pincus, Pumpus, Pecunatus! Auf deutsch: Guter Rat ist teuer!". Ach, Frau Doktor, wie wenig schulde ich Ihnen und doch eine ganze Welt. Für uns Kinder hielt seit 1952 Bruneck in Südtirol, ein Ort wie Rührei oder die Grantler Schwaige im Schnackinger Moos, um in der Geographie von Erika Fuchs zu bleiben, jeden zweiten Mittwoch den Atem an, wenn bei der Mahl Liesl die neuen Donald - Geschichten ankamen.
Mit Twiet!... Jabber!...Quack!...Phonk!...Honk!", dem Spruch, mit dem Dagobert Duck die legendären minenbestückten Kormorane in die Flucht jagte, nicht ohne Hinweis darauf, daß er Kormoranisch könne, stürmten wir den Laden in der Stadtgasse und vertieften uns in die neuen Abenteuer unseres Helden. Wir alle waren Donald - und Erika - Fuchs - Fans. Daß uns Sigurd, Tarzan oder die italienische Monello-Sammlung nichts sagte, lag an Frau Doktor Erika Fuchs, deren Name uns damals schon geläufig war wie Konrad Adenauer oder Winnetou. Wir sahen Donald als Museumswärter gelangweilt am Urrind lehnen und an der Perücke Karls des Kahlen vorbeischlurfen und hörten ihn sagen: "Es ist zum Sterben langweilig! Seit zwei Monaten versehe ich meinen Dienst, und seitdem ist nicht das Geringste passiert. Jedoch - die Bezahlung ist gut, die Dienststunden liegen günstig. Kurz, es wäre unklug zu kündigen". Das sind nicht nur hinreißende Donald - Sätze, so waren die Erwachsenen aus unserer Sicht. Donald war unser Vorposten in einer Welt, die uns schikanierte, die bizarre Regeln aufstellte und die überhaupt fremd und eigenartig zu sein schien. Und wenn er fünf Bilder später sagt: "Mit Walrössern und Walfischen kämpften die alten Wikinger, und ich muß bebrillten Naturhistorikern sagen, wo die Schmetterlings - Sammlung ist! Wie tief man doch sinken kann!" und gefragt wird: "Ach bitte, wo ist die Sammlung alter Stoffe und Spitzen?" und antwortet: "Zweite Tür rechts nach den gehäkelten Mundtüchern! Du liebe Zeit!" dann spürten wir: er ist einer von uns und folgten ihm bedingungslos in alle Höhen und Tiefen. Damit aber nicht genug. In den Zeichnungen von Carl Barks war Entenhausen eine verkleinerte Erwachsenenwelt. Sie aber hat diese Erwachsenenwelt mit Kinderlogik ausgestattet und damit die Anarchie nach Entenhausen getragen. Die Waffen dieser Anarchie sind Pfiffigkeit, Sprachwitz und Phantasie. Die Erwachsenen gehen miteinander um wie die Kinder, die Kinder aber unterlaufen die Regeln der Erwachsenen. So zum Beispiel im goldenen Helm, wenn es heißt: "Ich bin Justizrat Wendig. Im Namen meines Klienten, Herrn Berengar Bläulich, direkten Nachkommens Olafs des Blauen, erhebe ich Anspruch auf dieses Schriftstück." Kleiner Einschub: über die Namensgebungen von Frau Fuchs könnte man eigene Abhandlungen schreiben, ich sage nur: Schmu Schubiack! Nun anwortet der Museumsdirektor, der übrigens, wie alle Direktoren, nur: Herr Direktor heißt: "Mit welchem Recht erheben Sie diesen ebenso törichten wie unverschämten Anspruch?" und Justizrat Wendig antwortet: "Auf Grund des Codex Raptus...". Was für ein Einfall: der geraubte Codex! Aber: so argumentieren Kinder, wenn sie in die Enge getrieben sind. Sie erfinden eine neue Wirklichkeit und weil sie erfunden ist, ist sie in der Welt, und was in der Welt ist, ist wirklich. Logischerweise antwortet der Museumsdirektor: "Beim Zeus, hier steht es geschrieben! Und dies Gesetz ist nie aufgehoben worden." "Na also", antwortet Herr Bläulich. Und in dieser Logik geht es weiter. Auf die Frage des Herrn Direktor: "Bei Isis und Osiris! Wie will Ihr Klient beweisen, daß er ein direkter Nachfahre Olafs des Blauen ist?" antwortet Justizrat Wendig: "Flickus, Flackus, Dumdiedeldum! Das ist Juristenlatein und heißt auf deutsch:
Wie wollen Sie das Gegenteil beweisen?".
Und andererseits unterlaufen die Kinder die Regeln der Erwachsenen. Tick, Trick und Track suchen einen Job. Da wird ein junger Mann gesucht. Die drei stellen sich vor. Der Geschäftsinhaber sagt: "Aber ich brauch nur einen, und der sollte größer und kräftiger sein." Tick, Trick und Track antworten: "Aufeinander sind wir groß genug und nebeneinander auch ganz schön kräftig! Außerdem sind drei Köpfe mehr wert als einer. Und sechs Arme mehr als zwei!". Fazit: sie bekommen den Job. Alles streng nach dem Justizrat - Wendig'schem - Motto: "Hocus, Locus, Jocus! Auf deutsch: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!".
Der kindliche Humor, der nie kindisch war - und das ist einer der Gründe, warum uns aufgeweckte Kerlchen der Fünfziger bis Siebziger Jahre Fix und Foxi, Sigurd und Monello nie interessierten - hat uns Kinder ernst genommen. Meines Wissens steht Frau Dr. Erika Fuchs da in einer Reihe neben Lewis Caroll, Wilhelm Busch und Alexander O'Neill aus Summerhill und seiner "Grünen Wolke". Und immer noch ist sie unentdeckt als DIE deutsche Kinder-Autorin! Was ein Provinzland, dieses Nachkriegsdeutschland! Die Anarchie hat uns ermutigt, wider den Stachel zu löcken. Hätten die klassischen Sätze der '68er Revolution: "Wer zweimal mit derselben pennt gehört schon zum Establishment!" oder "Unter den Talaren - Muff von tausend Jahren!" überhaupt entstehen können ohne Tick, Trick und Track und ihrer Fuchs'schen Sprache? Hätte '68 überhaupt stattgefunden? Andersrum: wie wenige der damals Erwachsenen haben den Humor verstanden, der in der '68er Revolution versteckt war? Und warum haben sie ihn nicht verstanden? No: sie waren zu alt für Entenhausen und Erika Fuchs.
Ihre Sprüche sind für uns zu Redensarten geworden. Wenn wir pleite waren, stöhnten wir: "Ihr Geld versank - versank - versank - bis zu diesem Punkt!" und wir trösteten einander mit dem Zitat: "Leben Sie wohl, Herr Direktor, und wenn ich Ihnen menschlich einen Rat geben darf: Tragen Sie es wie ein Mann!", Ratschläge, die ein Geologenteam Dagobert Duck erteilte, als sein Geld in einer unterirdischen Tropfsteinhöhle versank. Und war wieder Kohle da, brachen wir in den Dagobert'schen Jubel aus: "Ein Hochgenuß, wie ein Seehund hineinzuspringen, wie ein Maulwurf darin herumzuwühlen und es dann in die Luft zu schmeißen, daß es einem auf die Glatze prasselt!". Und bewunderten uns mit dem Panzerknacker-Satz: "Raffinierte Brüder, diese Kapitalisten!", weil (ebenfalls ein Panzerknacker-Satz): "Plutokraten verstehen etwas von den Genüssen des Lebens". Gamz abgesehen vom dämonischen "Har! Har! Har!" und dem genialen "Rhabarber, rhabarber!". Auch die berühmten Fuchs'schen Kürzel wie "Stöhn! Ächz! Würg! Keuch! Seufz! Kladderadoms! Schnorch! Füt fiedelüt! Töff, töff! Kreisch! Blinzel Blinzel!" oder das legendäre "Ohh! Aua! Öl! Metallglanz!" als Ausdruck höchster Schmerzen begleiteten mein, unser Leben bis heute. Ach, Frau Erika, wie haben Sie uns den Imperativ als Kürzel für alle nur erdenklichen Seelenzustände erschlossen! Schmacht! Lechz!
Karl May hat uns ins Abenteuer - Land geführt, Bill Haley hat uns hören lassen, wie die Revolution klingt (und damals war es eine), die Häschen-Schule hat uns gezeigt, wie süßlich die Lüge aussehen kann und Wilhelm Busch hat uns gezeigt, wie es ist, wenn die Moral der Erwachsenen brutal zuschlägt (ich sage nur: Max und Moritz!). Sie aber, liebe Erika Fuchs, haben uns Mut gemacht, mit Witz und einem Lachen der Welt der Erwachsenen zu begegnen und Sie haben uns dafür auch die richtigen Sätze in den Mund gelegt. Sie sind damit das andere Nachkriegs-Deutschland, das, dem so viele Deutsche heute noch vergeblich nachlaufen: das heitere, leichtfüßige, anarchistische und so ergötzlich andere! Ich danke Ihnen.
Alle News im Überblick:

17.09.2009 Konzertkritik

25.05.2009 Konrad Beikircher: Von der Autowerkstatt in die Antike

20.01.2008 Benefiz

19.11.2007 Krefelder Krähe für Dieter Hildebrandt

15.08.2007 Balladen, Rock und viel, viel Liebe

13.04.2007 Bohème suprême

19.01.2007 Beitrag im Kölner Stadt-Anzeiger: Beethoven und die Segnungen des Rheinlands

07.12.2006 Die rheinische Neunte

30.08.2006 Mozart geht Essen mit mir

08.12.2005 Die ZEIT und die FAZ und der Don Camillo und ich

15.10.2005 Aalkönigs Inthronisierungsrede

06.10.2005 Beethovens Fidelio in Bonn

05.10.2005 General-Anzeiger Bonn zum Fidelio-Abend

02.09.2005 Rheinischer als ein Rheinländer

29.06.2005 Ab sofort im CD-Fachhandel (Vertrieb EDEL) erhältlich:

30.05.2005 Leska in Japan III

29.05.2005 Italienische Momente

24.05.2005 Leska in Japan II

05.04.2005 Leska B. in Japan

08.03.2005 Hanns Dieter zum 8o.

08.03.2005 "Ein Seufzer kostet einen Zehner und ein Gähnen deren zwo",

07.01.2005 Premiere "Altes und Neues zwesche Himmel un Ääd" und zum Hörbuch „Palazzo Bajazzo“

05.01.2005 Opfer der Flutwelle

05.11.2004 Rezensionen vom Online Musik Magazin

30.08.2004 Internview Kölner Stadtanzeiger: "Ich ging zur Demo, sie hat geputzt"

18.08.2004 "Man muss das Leben offensiv angehen."

06.08.2004 Ciao Ciao Bambina

23.06.2004 Start der neuen Website von Konrad Beikircher

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10.09.2010 20.00Uhr Konrad Beikircher + Band: "Amore e passione" Bergkamen Studiotheater Tickets: 02307/965 464
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