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Leska in Japan II
 aAls ich in Japan einkaufen ging
Mein Gott, andere Kinder, andere Sitten; denke ich, als ich durch das Shopping Zentrum in ‚Center Kita’ [= Nordzentrum, na, die Ortsnamensgebung scheint allerorts ein Problem zu sein, ich sage nur Oberhausen] streife, an meiner linken Hand Akihito-kun [goldige 2 Jahre und großer Fan von Anpanman, aber zu dieser besonderen Figur der japanischen Kultur später mehr], der leise mit mir singt und drei Meter weiter vorne Akane-chan [9], die irgendein nutzloses Zubehör in der Hand hält und sich vermutlich überlegt ob sie es kaufen soll, bis ich sie darüber aufkläre, daß 700Yen [ca. 5€] dafür eindeutig zu viel sind. Akihito-kun zieht mich zielstrebig in die Kinderabteilung, wo ein Spieltisch mit einer Brio-Eisenbahn und einer mit einem Parkhaus und Autos aufgebaut ist, auf das sich das Kind gierig stürzt. Kinderspielwarenabteilungen in Japan sind um einiges liebevoller gestaltet als solche in vergleichbaren deutschen Geschäften wie z.B. Kaufhof oder Huma: Überall sind Dinge ausgestellt mit denen die Kinder tatsächlich spielen dürfen, für die Kleinsten gibt es Wippen, Rutschen, Computerspiele mit Anpanman und nicht zu vergessen der obligatorische UFO-Catcher [diese Dinger mit den Greifarmen, wo man niemals etwas rausfischt ehe man nicht mindestens 10€ in Stücken eingeschmissen hat, was deutlich mehr ist, als die Gimmicks jemals wert sein werden] und eine Popcornmaschine von, Überraschung, Anpanman. Anpanman ist der Held im japanischen Kinderland, noch ehe die Kleinen Pokèmon sagen können. Dazu muß folgendes erwähnt werden—anpan ist Weißbrot in dessen Mitte sich anko [eine süße Paste aus roten Bohnen] befindet und ist das was bei uns ein normales Milchbrötchen ist. Nun ist irgendwann ein geschickter Marketingstratege dahergekommen und hat aus anpan einen Helden gemacht mit einem Kopf aus Brot, der natürlich immer wieder ramponiert wird und er bekommt in jeder Folge [jahaa!, das Ganze wurde natürlich schnell zu einer täglichen Zeichentrickserie] einen neuen gebacken. Zusammen mit seinen Freunden [ebenfalls diverse Brotsorten] rettet er die Welt und beschützt die Unschuldigen. Alle Kinder lieben Anpanman. Die halbe Spielzeugabteilung besteht aus Anpanman [die andere Hälfte aus Hello Kitty—nein, das stimmt nicht ganz: Hello Kitty hat einen eigenen Laden] und seinen Kumpanen. Während ich mit Akane-chan und Akihito-kun sinnlos Zeit im Merchandiseparadies vertrödele kauft Akihito-kuns Mutter in der Tat für ihren Sohn Eßstäbchen von Anpanman, die sie mir später stolz zeigt.
Nachdem ich eine Weile das Kind bespielt habe, mache ich mich auf und schlendere an den Regalreihen entlang, vorbei an den Magi-Ranger Action Figuren [die Nachfolger der Deka-Ranger, die hierzulande unter Power-Rangers laufen; ein Dauerbrenner im japanischen TV], dem unsterblichen Pokèmon, Gameboys, Barbies und Plastikhirschkäfern. Noch so etwas typisch japanisches: Da kleine Jungs gerne mit Plastiktierchen spielen hat sich der Marketingstratege von eben mit seinem Team zusammengesetzt und nach einer langen Brainstorming-Nacht kam ein Kartenspiel ála Pokèmon heraus: auf jeder Karte ist eine Hirschkäferart abgebildet, darunter stehen Stärken und Schwächen dieser Spezies und ganz unten entweder das Symbol für Schere, Stein oder Papier [ganz nach Schnick-Schnack-Schnuck], mit dem man dann den anderen entweder schlägt oder selber verliert. Ein intelligentes System, damit auch schon die Allerkleinsten das Spiel kapieren und als Marketingzielgruppe ins Auge gefaßt werden können. In der Ecke weiter hinten steht ein Spielautomat in den man [gegen die geringe Gebühr von 100Yen] seine eigene Karte einscannen kann um dann gegen den Computer zu spielen—für den Fall, daß man keine Freunde hat, das kann nämlich schon mal passieren [man braucht sich schließlich nicht die Mühe machen Freundschaften zu schließen, wenn man für alles Computer kaufen kann, sogar zum Kartenspielen].
Akihito-kun fängt an zu quietschen und ich drehe mich alarmiert um, aber er hat bloß die Anpanman Popcornmaschine gefunden und spielt verzückt an den Knöpfen [es kommt natürlich nichts raus, ehe man nicht 200Yen eingeworfen hat, aber Akihito-kun ist ohnehin zu klein und drückt bloß interessiert auf die bunten Hebel]. Mir wird schwindelig von dem vielen Anpanman, Pokèmon, Yu-Gi-Oh und Ultramann [Superman auf japanisch] und ich verkünde, daß wir weitergehen wollen, grabsche nach dem Kind, welches freudig quietscht, als es in die Luft gehoben wird und nehme Akane-chan bei der Hand, die schon wieder gefährlich nahe an der Accessoire-Abteilung herumlungert, ihr Hello Kitty Portemonnaie griffbereit in der Hosentasche. Da wir uns vorher von Akane-chans Mutter, Yukiko-san, und Großmutter getrennt haben, fische ich mein Handy aus der Tasche und mache einen Wir-wollen-uns-vor-dem-Restaurant-treffen Sammelanruf.
Gesagt getan, wir vereinbaren uns im 5. Stock zu treffen [in japanischen Kaufhäusern ist meist das oberste Stockwerk die Restaurant und Café Abteilung], wo wir an den verschiedenen Etablissements halten und abwägen, welches ausgestellte Plastikgericht am besten aussieht—Japaner essen nichts, von dem es nicht eine detailgetreue Plastikfigur oder ein Photo gibt und vor jedem Restaurant oder Cafe ist eine Glasvitrine angebracht wo ein Großteil, manchmal alle, der angebotenen Speisen ausgestellt sind [und im Gegensatz zu Deutschland sieht hier das Essen immer so aus, wie auf dem Bild und zwar bis zum geometrisch genau angeordneten Shiitake-Pilz]. Wir werden alle von der Großmutter eingeladen und stürzen uns ausgehungert auf Steak, Reisomelette, Ceasars-salad und yaki-soba [gebratene Nudeln] in dem feinen Restaurant, was zu horrenden Preisen [Eßbares ist ohnehin schon teuer und Restaurants ab nachmittags unbezahlbar] nationale und internationale Delikatessen anbietet, die, wie erwartet, lecker sind [wenn ich hier essen gehe, habe ich zwar hinterher das Gefühl mein Geldbeutel sei um 5 Kilo leichter geworden, aber das Essen ist dafür immer lecker, immer frisch und sein Geld fast immer wert].
Nach einer Weile fängt Akihito-kun an herumzukakeln, Akane-chan schiebt den Rest Steak elanlos auf ihrem Teller herum und ich überlege ernsthaft, ob ich den Mangosaft nicht lieber Mangosaft sein lassen sollte, ehe ich platze. Für Yukiko-san und die Großmutter das Zeichen zum Aufbruch und ein gelungenes Ende für einen anstrengenden Tag im Einkaufszentrum. Als wir zur Tiefgarage schlurfen, vorbei an dem echten Wasserfall, der vom ersten Stock in das Untergeschoß prasselt und stimmungsvoll in Szene gesetzt ist, setzt eine hysterische Frauenstimme zum siebenundfünfzigstenmal zum Refrain von „Wenn ich endlich in die erste Klasse komme“ an [hier sind momentan Frühlingsferien und danach beginnt im April das neue Schuljahr] und ich überlege viel später abends im Bett, daß ich niemals und unter keinen Umständen in einem Kaufhaus arbeiten wollte, in dem den lieben langen Tag ein und das selbe Lied läuft—jeden Tag. Nur unterbrochen vom Geplirre der Spielautomaten und den freundlich-überschwenglichen Willkommensrufen der Mitarbeiter. Nein, das wäre wohl nichts für mich. Morgen gehe ich glaube ich ins Museum.
Leska Beikircher 4.2’5
Alle News im Überblick:

17.09.2009 Konzertkritik

25.05.2009 Konrad Beikircher: Von der Autowerkstatt in die Antike

20.01.2008 Benefiz

19.11.2007 Krefelder Krähe für Dieter Hildebrandt

15.08.2007 Balladen, Rock und viel, viel Liebe

13.04.2007 Bohème suprême

19.01.2007 Beitrag im Kölner Stadt-Anzeiger: Beethoven und die Segnungen des Rheinlands

07.12.2006 Die rheinische Neunte

30.08.2006 Mozart geht Essen mit mir

08.12.2005 Die ZEIT und die FAZ und der Don Camillo und ich

15.10.2005 Aalkönigs Inthronisierungsrede

06.10.2005 Beethovens Fidelio in Bonn

05.10.2005 General-Anzeiger Bonn zum Fidelio-Abend

02.09.2005 Rheinischer als ein Rheinländer

29.06.2005 Ab sofort im CD-Fachhandel (Vertrieb EDEL) erhältlich:

30.05.2005 Leska in Japan III

29.05.2005 Italienische Momente

24.05.2005 Leska in Japan II

05.04.2005 Leska B. in Japan

08.03.2005 Hanns Dieter zum 8o.

08.03.2005 "Ein Seufzer kostet einen Zehner und ein Gähnen deren zwo",

07.01.2005 Premiere "Altes und Neues zwesche Himmel un Ääd" und zum Hörbuch „Palazzo Bajazzo“

05.01.2005 Opfer der Flutwelle

05.11.2004 Rezensionen vom Online Musik Magazin

30.08.2004 Internview Kölner Stadtanzeiger: "Ich ging zur Demo, sie hat geputzt"

18.08.2004 "Man muss das Leben offensiv angehen."

06.08.2004 Ciao Ciao Bambina

23.06.2004 Start der neuen Website von Konrad Beikircher

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10.09.2010 20.00Uhr Konrad Beikircher + Band: "Amore e passione" Bergkamen Studiotheater Tickets: 02307/965 464
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