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Beikircher
Kabarett Klassisch Kocht Singt Erzählt

Die ZEIT und die FAZ und der Don Camillo und ich

Also das ist schon eine Freude, wenn man liest, daß man gute Arbeit abgeliefert hat. Ich habe zwar viel Spaß gehabt, als ich das Hörbuch Don Camillo und Peppone aufnahm, daß das aber zu solchen Kritiken führt, hätte ich mir nie träumen lassen. Ich freue mich, Ihnen den Artikel aus der FAZ und den aus der ZEIT zu lesen geben zu können.
Ihr Konrad Beikircher

FAZ, 25.11.2005, Auflage: 480.400

Mit Schrot und Gebeten fängt man Dorfpfarrer

Absolut haushörbuchtauglich: Konrad Beikircher lässt Don Camillo und Peppone große Töne spucken
von Annette Zerpner

Als rasender Briefträger und als Strandurlauber Monsieur Hulot ist Jacques Tati für seine Fans in aller Welt das Emblem eines liebenswert-komischen ländlichen Nachkriegsfrankreich. Was Italien angeht, so nehmen Giovanni Guareschis „Don Camillo und Peppone“ seit Jahrzehnten eine ähnliche Stellung ein. Bereits drei Jahre nach Erscheinen der ersten erfolgreichen Kurzgeschichtensammlung wurde 1951 der erste von vier Filmen gedreht, in dem Fernandel als streitbarer Geistlicher und Gino Cervi als hitzköpfiger kommunistischer Bürgermeister ein kleines Dorf in der Po-Ebene in Atem halten. Die Charakterköpfe der beiden sitzen den Figuren bis heute auf den Schultern und ließen spätere Verfilmungen mit anderen Darstellern zu einem Misserfolg werden.
Eine gelesene Fassung ist zum Glück unabhängig von Schauspielerphysiognomien, so dass eine Hörbuchversion der teils derb-humorvollen, teils rührenden, immer absolut hausbuchtauglichen Geschichten schon an sich eine begrüßenswerte Annäherung an den Stoff darstellt. Historisch entrückt ist die Dauerfehde von Pfarrer und „rotem Häuptling“ um die allein seligmachende Weltanschauung heutzutage lediglich in ihrer Konkretisierung Katholizismus gegen Kommunismus. Der Bonner Kabarettist Konrad Beikircher, der das Einlesen des vorliegenden Hörbuchs besorgt hat, ist mit Guareschis Büchern aufgewachsen, schätzt sie sehr und hat nach eigenem Bekunden daraus gelernt, „wie man mit Gegensätzen auf mediterrane Art leben kann“.
Diese Gegensätze finden sich in jeder der Geschichten auf acht CDs erst einmal exaltiert ausgelebt: Große Töne werden gespuckt und kindliche Streiche ausgeheckt, etwa die Umbenennung von Don Camillo in Don Kamel auf einer Hauswand. Drohungen und Faushiebe „von der Wucht einer Tonne“ fliegen, der Geistliche schleudert Wirtshausbänke auf großspurige Genossen, ab und zu geht gar eine Schrotflinte los. Letzten Endes aber sind sich Don Camillo und Peppone in freundschaftlichem Hass verbunden. Als Rauhbeine können und müssen sie sich stets das Wasser reichen, so verlangt es die Ehre.
Der christliche Verhaltenskodex aber verlangt eigentlich etwas anderes. Während Don Camillo dafür sorgt, dass Peppone ab und zu eine kalte Dusche bekommt, wäscht ihm selbst der „kindlich kleine, ganz und gar weißhaarige“ Bischof auf seine Weise den Kopf und schickt ihn, einmal sogar zu den Ziegen in die Berge, auf dass er sich sammle. Doch selbst der Oberhirte hat Freude an den Riesenkräften dieses „Athleten Gottes“ und vergnügt sich damit, ihn einen antiken Tisch durch die bischöflichen Gemächer werfen zu lassen.
„Verrückte Bande!“ meint dazu kopfschüttelnd der „Christus vom Hauptaltar“ in Don Camillos Kirche. Er schwebt auf wunderbare Weise über den Dingen, kennt sich aber nicht nur mit menschlichen Seelen aus, sondern weiß auch von Alltagsdingen wie Grundstückspreisen oder Fußballtaktik. Im Dialog mit ihm verliert Don Camillo regelmäßig Jähzorn, Eitelkeit, Streitlust und zuletzt sogar seine Bauernschläue, um demütig in sich zu gehen.
Dass Misogynie eine voll akzeptierte regionale Tradition in Don Camillos Kosmos ist, daran muss man sich in den Zeiten von politischer Korrektheit erst einmal gewöhnen. Wenn Frauen überhaupt auftreten, haben sie allerdings durchaus Haare auf den Zähnen und wissen in ihrer Haut zu wehren. Im Einzelfall verfügen sie sogar über mythische Autorität wie jene uralte Lehrerin, welche – mehr wandelnde Institution als Person – Peppone erzittern lässt, wenn sie unter seine kommunistische Wandzeitung vor aller Welt „Vier. Esel!“ schreibt.
Als Konrad Beikircher in der Geschichte „Der Maler“ eine hochgradig zänkische Genossin in ebender Stimmlage eines zähen alten Papageis zetern lässt, die schon in seinen berühmten „Sarens, Frau Walterscheidt…“-Monologen im WDR-Hörfunk ein tinnitusträchtiges Markenzeichen war, entwickelt man jedenfalls ein gewisses Verständnis für die rauen Sitten des Landstrichs. Wer Beikircher vor allem als Bonner Bäckereibesitzerin Frau Roleber im Ohr hat, staunt über das völlige Fehlen jeglichen rheinischen Tonfalls bei dieser Aufnahme und wundert sich über die zarten Töne, die er vor allem für Don Camillos Zwiegespräche mit dem „Christus vom Hauptaltar“ zu finden vermag. Falls sich der kleine Austriazismus „der Polster“ nicht bereits in der Textvorlage findet, ist er immerhin ein winziger Hinweis in jene Richtung, aus der Konrad Beikircher zuallererst seine Stimmprägung bekommen hat: Zwar lebt der vielseitige Kabarettist seit vierzig Jahren im Rheinland, stammt aber ursprünglich aus Südtirol, wo deutsch-österreichische und italienische Laute bekanntlich wenig fremdelnd aufeinandertreffen. Das hört man so manchem seiner Konsonanten an. So laut er den Peppone donnern lassen kann, so milde und versonnen spricht er die beiden „l“ nach melodisch ganz leicht gedehntem „i“ in der Anrede „Don Camillo“, wenn er die Rede des hölzernen Jesus wiedergibt. Völlig unerwartet verspürt man selbst Lust auf solch tröstlich-fromme Unterhaltung – eine ziemlich ungewöhnliche Wirkung, selbst für ein gelungenes Hörbuch.


Die Zeit, Zeit Literatur, 17.11.05, Auflage: 557.300

Alle Beine sind gleich
von Mirko Weber

Schon länger her jetzt, jene niederrheinischen Novembersonntagnachmittage, wenn auch die letzte Pappel an der Niers wie in Watte gepackt war, im katholischen Jugendheim Don Camillo und Peppone gezeigt wurde und auf der großen Leinwand ein hoch unterhaltsames Zanken über den Sinn des Lebens anhob: Zähnebleckend kämpfte Pfarrer Fernandel gegen den knurrigen Bürgermeister Gino Cervi – und Jesus hing immer mittendrin. „Warum hast du mir nicht geholfen?“, fragt der Priester seinen Herrn, als seine christlichen Kicker gegen die Kommunisten verlieren, und Jesus antwortet weise und sanft wie immer: „Don Camillo, alle Beine sind gleich. Ich kann mich nicht auch noch mit den Beinen beschäftigen. Ich beschäftige mich mit den Seelen.“ So las man hernach die manchmal monströs verschachtelte Version von Giovanni Guareschis Roman in der Übersetzung von Alfons Dalma: gewissermaßen vorsynchronisiert.
Auch der gebürtige Südtiroler und Wahlrheinländer Konrad Beikircher kommt am Filmklang der Figuren nicht ganz vorbei, wenn er die Geschichten von Don Camillo und Peppone detailverliebt zum Besten gibt. Beikircher ist mit den Büchern von Guareschi aufgewachsen, sie waren Familienlektüre. Der Vorleser verkehrt also mit dem Personal auf ganz vertrauter Ebene, und das hört man auch. Zu Anfang, mittendrin und immer am Schluss variiert Martin Wagner feinfingrig auf seinem Akkordeon ein paar Themen, die klingen wie die Volksmusik aus der Gegend zwischen dem Po und dem Appenin. Man müsse nur, schreibt Guareschi, „ein Siedlerhaus anschauen, das halb verschwunden in Mais- und Hanffeldern liegt, und schon entsteht eine Geschichte“. Und aus den Wiesen steigt, wie ehedem, der weiße Nebel. Wunderbar!








Alle News im Überblick:

17.09.2009 Konzertkritik

25.05.2009 Konrad Beikircher: Von der Autowerkstatt in die Antike

20.01.2008 Benefiz

19.11.2007 Krefelder Krähe für Dieter Hildebrandt

15.08.2007 Balladen, Rock und viel, viel Liebe

13.04.2007 Bohème suprême

19.01.2007 Beitrag im Kölner Stadt-Anzeiger: Beethoven und die Segnungen des Rheinlands

07.12.2006 Die rheinische Neunte

30.08.2006 Mozart geht Essen mit mir

08.12.2005 Die ZEIT und die FAZ und der Don Camillo und ich

15.10.2005 Aalkönigs Inthronisierungsrede

06.10.2005 Beethovens Fidelio in Bonn

05.10.2005 General-Anzeiger Bonn zum Fidelio-Abend

02.09.2005 Rheinischer als ein Rheinländer

29.06.2005 Ab sofort im CD-Fachhandel (Vertrieb EDEL) erhältlich:

30.05.2005 Leska in Japan III

29.05.2005 Italienische Momente

24.05.2005 Leska in Japan II

05.04.2005 Leska B. in Japan

08.03.2005 Hanns Dieter zum 8o.

08.03.2005 "Ein Seufzer kostet einen Zehner und ein Gähnen deren zwo",

07.01.2005 Premiere "Altes und Neues zwesche Himmel un Ääd" und zum Hörbuch „Palazzo Bajazzo“

05.01.2005 Opfer der Flutwelle

05.11.2004 Rezensionen vom Online Musik Magazin

30.08.2004 Internview Kölner Stadtanzeiger: "Ich ging zur Demo, sie hat geputzt"

18.08.2004 "Man muss das Leben offensiv angehen."

06.08.2004 Ciao Ciao Bambina

23.06.2004 Start der neuen Website von Konrad Beikircher




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